Berti Aschmann

Sammlerin
Händlerin
*1917
†27.08.2005
Weblinks
Biografie
Berti Aschmann wurde als dreizehntes Kind ihrer Eltern im ländlichen Käpfnach-Horgen im Kanton Zürich geboren. Ihr Herzenswunsch war es, Theologie zu studieren, aber ihr streng gläubiger Vater verbot dies und so absolvierte sie eine stattdessen eine kaufmännische Ausbildung. Sie erhielt eine typisch protestantische Zürcher Erziehung, konvertierte aber als Erwachsene zur christkatholischen Kirche. Später bezeichnete sie sich als Agnostikerin. Sie war Mitglied der Pfadfinder und pflegte diese Verbindung bis ins hohe Alter. Die Familie nannte sie auch bei ihrem Pfadfindernamen Füchsli. Schon als Jugendliche hatte sie eine Verbindung zur Kunst und interessierte sich für Musik und Psychologie. Die Liebe zur asiatischen Kunst entdeckte sie durch ihre spätere Lebenspartnerin Antoinette Koller und ihre Tätigkeit am Auktionshaus Koller ab den 1960er Jahren. Hier entwickelte sie auch ein starkes Bedürfnis, sich mit schönen Dingen zu umgeben.
Im Laufe ihrer Karriere wurde sie zu einer weltweit anerkannten Kennerin tibetischer Kunst. Ihre Position am Auktionshaus verhalf ihr dazu, eine herausragende Privatsammlung tibetischer Kunst aufzubauen. Die Händler*innen kamen direkt zu ihr nach Hause, wo sie die Stücke auswählte. Beim Erwerb lag ihr Fokus primär auf der Ästhetik, aber sie hatte zu jeder Figur auch eine persönliche Beziehung. Die Kunst des Himalayas faszinierte sie besonders, und das kulturelle Erbe Tibets lag ihr am Herzen. Deshalb pflegte sie zahlreiche Kontakte, nicht nur zu Sammler*innen sowie zu Fachleuten aus Wissenschaft und Kunsthandel, wie dem Galeristen Ulrich von Schroeder, sondern auch zu Tibeter*innen. Ein einziges Mal reiste sie im Jahr 1980 selbst nach Tibet.
Ihre Lebenspartnerin war die Schwester von Pierre Koller, des Gründers der Galerie Koller. Antoinette Koller erweiterte das Sortiment der Galerie um Asiatika und Porzellan und trug dazu bei, dass Zürich ein wichtiger Auktionsplatz auf diesem Gebiet wurde.
Im Jahr 1990 ermutigte Antoinette Koller Berti Aschmann, eine Stiftung zu gründen, um die Sammlung dauerhaft zusammenzuhalten. So gelangten rund 200 buddhistische Bronzen, die bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen und aus dem heutigen Pakistan, Kashmir, Indien der Pala-Dynastie, Nepal und vor allem aus Tibet stammen, in die Berti Aschmann Stiftung. 1995 wurde die Sammlung Aschmann im Museum Rietberg in der Sonderausstellung «Auf dem Pfad zur Erleuchtung» erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der Dalai Lama verfasste eine Grussbotschaft für den Katalog.
Nach der Ausstellung wurde die Sammlung der Stiftung dem Museum Rietberg als Dauerleihgabe überlassen. Berti Aschmann war eine grosse Förderin des Museums und Ehrenmitglied der Rietberg-Gesellschaft. Die Bronzen sind aber nicht die einzigen Stücke mit dieser Provenienz. Darüber hinaus schenkte Berti Aschmann dem Museum im Andenken an die 1998 verstorbene Antoinette Koller 30 chinesische Porzellan-Figuren und Lackobjekte.
Benutzte Quellen
- Brauen, Martin, «Vom Ritualobjekte zum Kunstwerk. », in: Tisa Francini, Esther, unter Mitarbeit von Sarah Csernay (Hrsg.), Wege der Kunst. Wie die Objekte ins Museum kommen, Zürich, Scheidegger & Spiess, 2022, S. 275–288.
- «Tibet-Spezialistin, Mäzenin», in: NZZ, 23.8.2005, URL: nzz.ch (Zugriff am 8.7.2024).
- Jahresbericht Museum Rietberg 1996, S. 22.
- Jahresbericht Museum Rietberg 1998, S. 12.
- Aschmann, Berti zum 86. Geburtstag, «Aus meinem Leben», Zürich, 2003, MRZ, Archiv, S.0005-0004.
- Gespräch von Alix von Przychowski und Esther Tisa mit Franziska Buob (Nichte und Nachlassverwalterin, Stiftungsrätin) und Mario Andina (Lieblings-Göttibub und Stiftungsrat), 1.10.2022.
- MRZ, Schriftenarchiv, S.0005-0002, Sammlung Berti Aschmann 1991–2005., 06.2025
Verknüpfte Literatur