Anna Mueller Grocholski

Biografie
Anna Mueller Grocholski (geborene Anna Borisovna Svertschkov) wurde in Russland geboren. Ihr Vater Boris Svertschkov war Leutnant im 17. Novo-Mirgorod Ulan Regiment. Nach dem Tod ihrer Mutter Olga Svertschkov-Obakiewicz im Jahr 1916 wurden Anna Mueller Grocholski und ihr Bruder zu einer Tante in Finnland geschickt, um den Unruhen der Russischen Revolution zu entgehen. Nach wenigen Jahren mussten sie jedoch nach Russland zurückkehren und lebten fortan bei ihrer Grossmutter mütterlicherseits. In den frühen 1920er Jahren konnten die Geschwister gemeinsam mit ihrer Grossmutter Russland verlassen und zu ihrem Vater nach Belgrad ziehen. Da es für russische Emigrant*innen schwierig war, eine Anstellung zu finden, bestritt der Vater ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Ein Onkel, Micha Obakiewicz, der für ein amerikanisches Versicherungsunternehmen in Saigon arbeitete, bot ihnen schliesslich an, zu ihm zu kommen. Anna Mueller Grocholski konnte dort zunächst als Sekretärin arbeiten, später auch in der Niederlassung in Shanghai. 1931 heiratete sie in Shanghai den Deutschen Walter Kuhr, der jedoch nach Hitlers Machtergreifung nach Deutschland zurückkehren wollte. Anna Mueller Grocholski blieb in Shanghai und liess sich 1936 von Walter Kuhr scheiden. Durch eine Zeitungsanzeige erhielt sie eine Stelle als Sekretärin bei dem Schweizer Geschäftsmann Julius Mueller, zuerst in Shanghai, später in Tokio und New York. Julius Mueller war zu dieser Zeit verheiratet, führte jedoch eine Beziehung mit Anna Mueller Grocholski. Da sie durch ihre erste Ehe die deutsche Staatsbürgerschaft besass, ging Anna Mueller Grocholski beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine Zweckehe mit dem Schweizer Ernst Schappi ein, um die Schweizer Staatsbürgerschaft zu erhalten. Bereits 1940 wurde die Ehe wieder geschieden, sodass sie 1942 den inzwischen ebenfalls geschiedenen Julius Mueller heiraten konnte. Das Paar lebte in New York und kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schweiz zurück, wo sie in Zollikon ein Anwesen kauften.
Ab 1967 war Anna Mueller Grocholski Mitglied der Rietberg-Gesellschaft. Nach dem Tod von Julius Mueller im Jahr 1970 heiratete Anna Mueller Grocholski 1989 den Grafen Grocholski. Im Jahr 1971 wurde die Ehrenmitgliedschaft von Julius Mueller auf sie übertragen. Aus der Sammlung von Julius Mueller schenkte Anna Mueller Grocholski dem Museum Rietberg 2000 drei Stellschirme. Im Jahr 2004 folgten durch ihr Legat zwei japanische Malereien, zwei Tsuba, eine chinesische Porzellanfigur sowie ein Lackkasten.
Benutzte Quellen
- «THE COUNTESS ANNA MUELLER GROCHOLSKI», in: Christie's, URL: christies.com.cn (Zugriff am 23.9.2024).
- Tacier-Eugster, Heidi, Das Museum Rietberg Zürich und Elsy Leuzinger. Vom Sehen und Wissen, Basel, Schwabe Verlag, 2019, S. 203.
- Übertragung lebenslange Mitgliedschaft RBG, Museum Rietberg Archiv, S.0005-0014., 07.2025
Verknüpfte Literatur