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Direktion

Dr. Albert Lutz
Direktor
  • Fotografie: Rainer Wolfsberger

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    Wie kamen Sie als Sohn eines Bündner Ingenieurs dazu, chinesische Kunst zu studieren?

    Ich wollte eigentlich auch Ingenieur werden und begann das Studium an der ETH. Dann aber unternahm ich im Alter von 22 eine Reise, die mich nach Japan, Korea und Taiwan führte. Ich war sehr beeindruckt von den Menschen, den alten Tempeln – dem herrlichen Essen! Zurück in Zürich, erfuhr ich, dass man an der Uni bei Prof. Helmut Brinker Kunstgeschichte Ostasiens studieren konnte. So wechselte ich in die Kunstgeschichte.

    Durch meine Tätigkeit als Ausstellungsassistent im Kunsthaus Zürich wurde mir klar, dass der Museumsberuf genau das war, was ich wollte. Dann hatte ich das Glück, dass kurz nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, die China-Stelle am Museum Rietberg frei wurde. Ich erhielt von Eberhard Fischer, dem damaligen Direktor, den Auftrag, Ausstellungen zur chinesischen Kunst zu organisieren, und gleichzeitig hatte ich mir vorgenommen, eine Doktorarbeit über einen buddhistischen Tempel in der Provinz Yunnan zu schreiben. So kam ich häufig nach China. 1987 lebte ich vier Monate zusammen mit meiner Frau und unseren zwei Buben in Kunming und war dort am Provinzmuseum tätig – eine herrliche Zeit! Kunming besass damals noch einen eher ländlichen Charakter.

     

  • Sie sind nun seit über dreissig Jahren im Museum Rietberg tätig. Eine sehr lange Zeit!

    Ja, wahrlich sehr lang! Die Arbeit die ich hier hatte – Eberhard Fischer betraute mich schon früh mit verschiedenen Bauprojekten und stets gab es tolle Ausstellungen zu verwirklichen – war stets interessant, ich hatte grossen Freiraum und konnte mich kreativ entfalten. So blieb ich hier, trotz Angeboten aus dem Ausland. Dass ich diesen Entscheid nie bereut habe, ist dem Umstand zu verdanken, dass ich, als ich 1998 Direktor wurde, die Chance bekam, einen Neubau zu verwirklichen. Alles verlief im Rückblick bei diesem Grossprojekt erstaunlich leicht.

    Wir hatten eine Vision, dazu dann das perfekte Projekt ­von zwei herausragenden Architekten, das ungeteilte Engagement der Politik sowie eine fantastische Unterstützung von Gönnerinnen, Sponsoren und Mäzenen. Dies führte zu einem sehr befriedigenden Resultat, dem Smaragd-Neubau, den wir 2007 eröffnen konnten. Auch jetzt ist es nach wie vor meine Aufgabe, das Museum weiterzuentwickeln. Da ich mit Jahrgang 1954 in wenigen Jahren ins Pensionsalter komme, ist es aber auch wichtig, eine gute Ausgangslage zu schaffen für das Museum für die Zeit nach mir – und für mich für eine Zeit ohne Museum Rietberg! 

     

    Was hat Ihnen in ihrer langjährigen Tätigkeit am meisten Freude gemacht?

    Wie gesagt, die verschiedenen Bauprojekte und die Zusammenarbeit mit den Architekten empfand ich immer als beglückend und anregend. Gemeinsam im Team der Kuratorinnen und Kuratoren kulturvergleichende Ausstellungen zu machen wie «Orakel», «Liebeskunst», «Mystik» oder wie jetzt, «Kosmos», war für uns alle eine erfreuliche, lohnenswerte, wenn auch nicht immer einfache Herausforderung. Solche Gemeinschaftsprojekte gibt es allgemein in Museen viel zu selten.

    Was ich in meiner Position als Direktor aber am meisten schätze, ist die Möglichkeit, immer wieder gut qualifizierte und höchst motivierte Menschen in allen Bereichen, sei es im Café, im Kuratorium, im Marketing oder sonst wo an unser Haus zu binden. Es ist für mich jedes Mal eine Freude, Praktikantinnen und Praktikanten anzustellen und zu beobachten, wie diese jungen Menschen frischen Wind und gute Ideen in unser Haus bringen. Wenn ich auf die drei Jahrzehnte zurückblicke und mir vergegenwärtige, was wir alle gemeinsam erreicht haben, wie wir von einem doch eher kleinen Haus zu einem der grossen Kunstmuseen der Schweiz und zu einem der aktivsten Weltkunst-Museen in Europa gewachsen sind, erfüllt mich dies mit Freude. 

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